Monatsarchiv: August 2011

Erfolgsautoren der Zukunft

Mit dem E-Book in die Charts?

Wer hier eines der typisch amerikanischen Erfolgsrezepte für Selfpublisher erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein. Denn es macht wenig Sinn, ehrfürchtig auf den amerikanischen E-Book-Markt zu starren und sich von den Argumenten der sich selbst vermarktenden bloggenden Selfmade-Experten amerikanischer Mentalität beeindrucken zu lassen.

Tatsächlich sind sowohl die Verlagsstrukturen, die E-Publishing-Kultur, die amerikanische Mentalität und nicht zuletzt die Verhaltensweisen der Marktteilnehmer, zu denen auch noch die Leser und Agenturen gehören, nur bedingt auf den europäischen und hier zudem auf den deutschsprachigen Raum übertragbar. So sind Publikationszahlen amerikanischer Kindle-Autoren als Erfolgsmaßstab für die deutschen Kollegen allein angesichts der sehr unterschiedlichen Entwicklungsstufen des Gesamtmarktes kaum geeignet.
Noch weniger aber sollte man sich von jenen amerikanischen Kollegen beeinflussen lassen, die das Selfpublishing und die E-Books nur deshalb für sich entdeckt haben, weil die etablierten Verlage schlichtweg zu blöd waren, deren literarisches Genie zu erkennen. Wenn diese Schriftstellerkollegen dann zusammen mit ihren unverzichtbaren, weil persönlichen Frusterfahrungen zum Wohle aller an die Öffentlichkeit gehen, um dabei auch gleich auf ihren ebenso unverzichtbaren und käuflich zu erwerbenden Ratgeber „wie sich mein Liebesleben durch das Kindlemachen für immer verändert hat und wie es auch Ihnen innerhalb von drei Tagen ewige Glückseligkeit bringen kann“, dann ist das zwar sehr amerikanisch, für jemanden, der hierzulande ernsthaft eine Schriftstellerkarriere anstrebt aber nur bedingt hilfreich.

Globalisierung hin, Globalisierung her, Amerika ist nicht Europa und schon gar nicht Deutschland. Was hier funktioniert, stößt in den USA auf Unverständnis und umgekehrt. Wir müssen hier als Autoren unsere eigenen Wege gehen und vor allem auch unsere eigenen Erfahrungen machen und konstruktiv – und mein Geheimtipp: kooperativ –  umsetzen. Für die Einsicht, dass man sich als unbekannter Autor selbst vermarkten muss, als Preis für die durch die neuen Technologien entstandenen publizistischen Freiheiten, bedarf es lediglich eines ganz kurzen Nachdenkens und keiner amerikanischen Nachhilfe. Wie diese Selbstvermarktung, dieser Selbstaufbau des Autors als Eigenmarke konkret aussehen kann, welche Instrumente es dafür gibt, darüber kann man sich über das Web und die social networks relativ gut informieren und dann ist da noch der Aspekt der Kreativität, die einem Buchautor natürlich nicht ganz fremd sein sollte.
Die Kernbotschaft aber ist: Erfolgreich wird sein, wer nicht kopiert. Wir müssen keine amerikanischen Verhältnisse und Denkweisen im europäischen „Buchmarkt“ vorantreiben. Wir brauchen einen Buchmarkt in Europa, der den besonderen kulturellen Eigenheiten dieses Großraumes entspricht. Mit den Möglichkeiten des zweifellos zukunftsweisenden E-publishing haben es nun mehr denn je die Autoren in der Hand, den Markt qualifiziert neu zu strukturieren. Ein wenig mehr Selbstbewusstsein der E- und Selfpublisher gegenüber den etablierten Verlagen, die sich gerne bei uns um die Veröffentlichung unserer Bücher bewerben dürfen, ist da durchaus angebracht.

Ihr Wolfgang Schwerdt

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter Gedanken zum Buch