Die Zukunft liegt in . . . ein Wort an alle Spökenkieker

Was begegnen einem im weltweiten social net nicht alles für Wahrheiten – einzige natürlich – über die Zukunft. So wird es sein, es geht gar nicht anders, das liegt doch auf der Hand oder?

„Die Zukunft liegt in den Händen der vernetzten Autoren oder schreibenden Netzwerker.“

„Die Zukunft liegt im E-Book“

„Die Zukunft liegt in den erneuerbaren Energien, also Wind, Wasser, Sonne.“

„Die Zukunft gehört dem Elektroauto“

„Die Zukunft liegt im virtuellen social networking“

„Die Zukunft liegt . . . . “

Wirklich?

Tatsächlich dürfte die prognostizierte Zukunft im Vorstellungsvermögen, der Interessenlage und dem Glauben des Prognostikers liegen. Das ist durchaus legitim, sollte jedoch keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben.

Die Zukunft jedenfalls liegt in der Zukunft.

Die Zukunft liegt vielleicht . . . . vielleicht aber auch . . . möglicherweise aber auch dort, wo wir sie auf unserem heutigen Wissensstand gar nicht vermuten können.

Immerhin lag im 18. Jahrhundert die Zukunft der Menschheit und der Menschlichkeit in der Dampfmaschine und der Industrialisierung – worin nach damaligem Kenntnisstand auch sonst? Inzwischen entspricht diese damals einzig vorstellbare Zukunft nicht einmal mehr der Vergangenheit, geschweige denn der Gegenwart.

Mit der Gegenwart in die Zukunft

Eines lässt sich mit absoluter Sicherheit sagen: der Weg in die Zukunft ist nicht eingleisig, sondern hält viele Optionen bereit, sei es parallel, sei es ineinander verwoben. Die Zukunft ist wie das Leben multidimensional und in seiner Entwicklung im Kleinen wie im Großen unberechenbar. Und sie beinhaltet immer auch die Vergangenheit, die mit der Zukunft eben nicht einfach verschwindet. Wer die Zukunft bereits zu kennen glaubt und seinen Weg dorthin konsequent an dieser Kenntnis ausrichtet, verschließt sich ihr mit großartiger Geste.

Vielleicht ist der beste Weg in die Zukunft, die Gegenwart am Menschen und seiner Umwelt und nicht an Wirtschaft oder Technologie orientiert zu organisieren – das zumindest wäre meine Vorstellung von der Zukunft, denn die Gegenwart können wir gestalten, die Zukunft ist bestenfalls das Ergebnis der gegenwärtigen menschlichen Bemühungen.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein, Gedanken zum Buch

2 Antworten zu “Die Zukunft liegt in . . . ein Wort an alle Spökenkieker

  1. Lieber Wolfgang,
    an Deinen Sätzen ist manches Wahres, aber ich glaube, es liegt ein Missverständnis vor. Deinen Thesen liegt die Lesart zugrunde, es gäbe so etwas wie ein Zukunft, die irgendwann anfängt und dann entweder ewig dauert oder soundsolange. Das Beispiel mit der Dampfmaschine ist schief. Wenn wir vom allgemeinen Zukunftsbegriff ausgehen, dann war es damals völlig richtig zu argumentieren, die Zukunft läge in der Dampfmaschinen und nicht in der menschlichen Kraft oder der von Pferden etc. Es ist der Begriff Zukunft in Deinem Artikel, über den, im Zusammenhang mit den an sie gestellten Erwartungen man sich Gedanken machen müsste. Zukunft ist eigentlich nur der Zeitraum nach dem Jetzt, wobei man sich erst jetzt darüber Klarheit verschaffen möchte was das Jetzt eigentlich ist und wie lange es dauert, bis es sich in die Zukunft verwandelt und zum Jetzt wird. Es gibt einige „Sichere“ Vorstellungen von Zukunft, die für den Menschen Geltung haben werden und die „Wahrheiten“ darstellen, Aber sie sind immer mit Zeiträumen verknüpft, die wir aber meistens ignorieren, wahrscheinlich um unsere Endlichkeit nicht dauernd realisieren zu müssen.
    Ich hätte beinah Lust, mit Dir zusammen mal etwas über diese Themen zu schreiben. Dann würden wir zu konkreten Spökenkiekern, deren Zukunftsvorstellungen vielleicht etwas mehr Biss und Relevanz hätten als das Kopfschütteln über scheinbar oder wirklich misslungene Voraussagen Gruss und gute Wünsche für eine angenehme Zukunft, zumindest für die nächste Woche.
    Uwe

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    • Lieber Uwe,

      danke für deinen Beitrag und das mit dem zusammen etwas über diese Themen schreiben, könnte mich durchaus reitzen.
      Aber ich glaube, ich habe mich da mißverständlich ausgedrückt. Deine Worte zum Zukunftsbegriff kann ich nur unterstreichen. Bei dem Dampfmaschinenbeispiel (und dem ganzen Beitrag) ging es mir aber vor allem um die Eindimensionalität von „Zukunftsbetrachtungen“ und die so beliebte technologische Weltsicht.
      Die Zukunft (der Menschen) lag auch damals nicht in der Dampfmaschine, sondern in der bürgerlichen Gesellschaft (der europäischen Nationalstaaten und Amerikas, nicht etwa den Menschen Asiens oder Afrikas), die der Dampfmaschine (immerhin bereits funktionsfähig in der Antike entwickelt) ihre Rolle für die „Zukunft“ verschafft hat. Die Industrialisierung im Bergbau übrigens ist weder ohne Dampfmaschine noch ohne gleichzeitige! Pferdekraft (im Einsatz unter Tage wohlgemerkt!) vorstellbar, wobei die Pferde beispielweise im Ruhrbergbau noch im Einsatz (1960!) waren, als die Dampfmaschine längt durch effektivere Technologien ersetzt worden war. Für diesen Bereich war neben der Dampfmaschine tatsächlich das Pferd die Zukunft.
      Worum es mir eigentlich bei dem Beitrag ging, sind vor allem die eingleisige Betrachtung und die absoluten Aussagen, die so gerne getroffen werden, ohne den jeweiligen Bezugspunkt und die notwendigen Rahmenbedingungen (Gesellschaft, Energie, Kultur, Industrie, Demokratie, Ökonomie, gesellschaftliche Segmentierung etc.) zu erwähnen und zu berücksichtigen. Nur, um neuen Mißverständnissen vorzubeugen, ich meine damit nicht dich, denn ich habe mir deine Werke ja durchaus zu Gemüte geführt ;-).
      Alle „Aussagen zur Zukunft“, die ich in meinem Beitrag aufgelistet habe, sind ja nicht falsch (oder es wird sich schlichtweg herausstellen, welche Gültigkeit sie tatsächlich haben), wenn man beispielsweise ergänzt, für wen. Natürlich hätte ich auch statt der „Zukunftsgeschichten“ Sprüche wie „dies und jenes ist gut für uns oder Deutschland oder die Menschen“. Viel wichtiger als die Begriffe „Zukunft“ oder „gut“ ist eben die Erklärung wer jeweils gemeint ist und unter welchen Bedingungen was für wen gut oder eben die Zukunft (für viele Arbeiter bedeutete die Dampfmaschine ja alles andere als die Zukunft) ist. Ohne diese Bezugspunkte sind die Aussagen weder richtig noch falsch noch wahr, sie sind einfach nichts.
      Zitat: „Es gibt einige „Sichere“ Vorstellungen von Zukunft, die für den Menschen Geltung haben werden und die „Wahrheiten“ darstellen, Aber sie sind immer mit Zeiträumen verknüpft . . . “
      Ich denke, die Zeiträume oder die „Definition der Zukunft“ sind nicht das Problem, sondern eben der so allgemeine und undefinierte Begriff für „den Menschen“. Da es „den Menschen“ ja nur in der Statistik gibt, haben auch die „sicheren Vorstellungen“ und die Wahrheiten nur für „den statistischen Menschen“ Geltung.
      Mit all diesen Ausführungen will ich mich in keinster Weise als Technologiefeind outen, ich denke, wer mich kennt und meine Internetpräsenz wahrnimmt, würde auch gar nicht darauf kommen. Aber es gab einmal in den 80er Jahren eine Diskussion um die „Technologiefolgeabschätzung“ als Grundlage demokratischer Entscheidungen. Dabei ging es nicht nur um Umweltfragen, sondern auch um die gesellschaftlichen Folgen (und Kosten!). Dieser Aspekt ist (wie viele andere Projekte, z.B. Strukturreformen) wohl der deutschen Wiedervereinigung und der „Totschlagglobalisierung“ zum Opfer gefallen.
      Mein Credo: Technologie ist weder ein Wert an sich (ohne Menschen existierte Technologie gar nicht) noch Zukunft. Wert und Wirkung von Technologie bestimmen Menschen. Welche Menschen die Wirkung bestimmen und welche Menschen der Wirkung ausgesetzt sind, entscheidet nicht die Technologie.

      So, und nun ganz am Schluss: Ich habe zusammen mit einem Bekannten Anfang der 80er Jahre für die Landeszentrale für politische Bildung in Berlin eine Prognose, eine Art Technologiefolgeabschätzung (Computer, beginnendes web, digitalisierte und virtuelle Welt in Wirtschaft und Gesellschaft etc.) mit verschiedenen Szenarien, basierend auf politischen Entscheidungen (konkret: mit Strukturreformen, ohne Strukturreformen) für das Jahr 2000 und folgende erarbeitet (Diese Studie ist zwar bezahlt, aus politischen Gründen aber nicht veröffentlicht worden). Viele Aspekte unserer Prognosen auf der Basis ohne Strukturreformen sind (leider) tatsächlich eingetroffen, übrigens auch damals noch völlig futuristische technologische Vorhersagen. Das Szenario, das wir sozusagen ohne politisch-gesellschaftlichen Hintergrund, vor allem unter den Aspekten des technisch Möglichen und irgendwie auch grundsätzlich Sinnvollen entwickelt hatten, lag übrigens völlig daneben. Wenn man so will, eine „Langzeitstudie“, die die häufige Technologiefokussierung als Heilmittel für gesellschaftliche Probleme doch sehr relativiert.

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