Spotlights der Geschichte – Jahreszahlen mit der 12

Die Schlacht von Saint-Mathieu

Möglicherweise war es ja die erste Seeschlacht, in der Kanonen auf speziellen Geschützdecks eingesetzt wurden. Und sicherlich darf man die denkwürdige Schlacht von Saint-Mathieu zwischen einer französisch-bretonischen und einer englischen Flotte, die sich am 10. August 1512 vor der französischen Hafenstadt Brest ereignete als eine der Grundlagen englischer Seegeltung verstehen.

Schifffahrtsgeschichtlich ist jene Zeit, als Heinrich VIII. begann, systematisch eine Flotte aus speziellen Kriegsschiffen aufzubauen, außerordentlich interessant. Denn es war die Zeit der Entwicklung des Segelkriegsschiffs zum eigenständigen Schiffstyp. Eines der bekanntesten der ersten dieser speziellen Segelkriegsschiffe war die „Mary Rose“, die – wohl ein Jahr zuvor in Dienst gestellt – ebenfalls an der Schlacht von Saint-Mathieu beteiligt war und dabei erstmals ihre für jene Zeit überlegene Feuerkraft in Einsatz bringen konnte. Die 25 Schiffe Heinrichs VIII. unter dem Kommando von Sir Edward Howard konnten die aus 22 Schiffen bestehende französisch-bretonische Flotte, kommandiert von René de Clermont, schlagen.

1509 war der Bau der legendären Mary Rose begonnen und mit den Geschützen aus Heinrichs VIII. gerade neu gegründeter Kanonengießerei bestückt worden. Um einen möglichst tiefen Schwerpunkt des Schiffes zu erreichen, war das untere Batteriedeck mit den schwersten Geschützen dicht oberhalb der Wasserlinie gelegen. Bei geschlossenen Stückpforten war dies kein Problem und die Mary Rose erwies sich in den zahlreichen Einsätzen, die sie zwischen ihrer Fertigstellung und ihrem Untergang geleistet hatte, als schneller Segler und kampfkräftiges Kriegsschiff.
Neue Entwicklungen sind aber selten ausgereift. So war es kein Zufall, dass das Flaggschiff 1545 während einer Seeschlacht mit den Franzosen kenterte und innerhalb von wenigen Minuten mit seinen rund 700 Mann Besatzung Unterging, ohne einen Schuss abgefeuert zu haben. Eine Windböe hatte sich das Schiff zur Seite neigen lassen und das Wasser war schnell durch die offenen Geschützpforten des unteren Batteriedecks eingedrungen.

Im ersten Kapitel des Buches „Kulturgeschichtliche Aspekte zur Schiffahrt des 16. bis 19. Jahrhunderts“ mit dem Titel „Die Entdeckung der Welt und die maritimen Ambitionen der Tudors“ erfährt der Leser viel über die Mary Rose oder den Aufbau der englischen Seemacht unter den Tudors bis hin zum legendären englischen Seehelden Sir Francis Drake. Wolfgang Schwerdt widmet sich in dem Kapitel der frühen Neuzeit aber auch weniger vertrauten Aspekten, wie beispielsweise der „Anatomie“ eines portugiesischen Ostindienfahrers des 15./16. Jahrhunderts, also noch vor der großen Zeit der holländischen und britischen Ostindienkompanien, die den Schwerpunkt des zweiten Kapitels dieses Bandes der kulturgeschichtlichen Aspekte bilden. Das erste Kapitel im Überblick:

I. Die Entdeckung der Welt und die maritimen Ambitionen der Tudors
– Es war nicht Kolumbus
– Japan und die Europäer im 16. und 17. Jahrhundert
– The Pepper Wreck von Filipe Vieira de Castro
– Mary Rose, Bergung und Geschichte des Tudorschiffes
– Neues Mary Rose Museum im Portsmouth Historic Dockyard ab 2012
– Tudor Warships (1), die Marine Heinrich VIII
– Tudor Warships (2), die Marine Elisabeth I
– Die Galeonen Elisabeth I.
– Sir Francis Drake on the Spanish Main 1585-86

In: „Kulturgeschichtliche Aspekte zur Schiffahrt des 16. bis 19. Jahrhunderts“

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