Ausgrabungen in Uruk 1912 von der Deutschen Orient-Gesellschaft aufgenommen

Spotlights der Geschichte – Jahreszahlen mit der 12

Uruk, die legendäre sumerische Stadt am Euphrat ist seit 1912 ein Ort systematischer Ausgrabungen durch deutsche Institute. 1912 hatte die Deutsche Orientgesellschaft, von 1928 bis 1941 dann die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft (1954 wurden sie dem Deutschen Archäologischen Institut angegliedert) in den Ruinen der Stadt, aus dem 5./4. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung gegraben.

In den bis 1989 durchgeführten 39 Forschungskampagnen entpuppte sich die Stadt des Gilgamesch als Zentrum einer gut organisierten Gesellschaft, die nicht nur „die erste Schrift“ und eine komplexe Verwaltung, sondern mit seiner Steinskulptur auch eine hochentwickelte Kunst hervorgebracht hatte.
Die politischen Verhältnisse in der Region führten schließlich zu langjährigen Unterbrechungen der Forschungstätigkeit. Zwar konnten in den Jahren 2001 und 2002 die Feldforschungen noch einmal aufgenommen werden, seit 2003 sind sie allerdings wieder unterbrochen.

DAI, Wissenschaft im Dienste der Kulturpolitik

Das auffällige Engagement des Deutschen Archäologischen Instituts in den asiatischen Krisenregionen ist übrigens kein Zufall. Denn dass die staatliche Archäologische Einrichtung DAI auch eine (kultur-) politische Aufgabe zu erfüllen hat, entspricht durchaus dem institutionellen Selbstverständnis. So hatte das Deutsche Archäologische Institut bereits im Sommer 2002, kurz nach der Vertreibung der Taliban Ausgrabungen in Afghanistan aufgenommen. Dabei, so die dahinter stehende Philosophie, geht es darum, durch die gemeinsame Forschungsarbeit mit örtlichen Wissenschaftlern einen Beitrag zum Verständnis des kulturellen Erbes und der kulturellen Identität der jeweiligen Völker zu erreichen. Besonders wichtig dabei heute: der Dialog mit der islamischen Welt.
Wenn das Deutsche Archäologische Institut also seit Jahrzehnten umfangreiche Ausgrabungen und Rekonstruktionen inklusive einer touristischen (und damit wirtschaftlichen) Erschließung der alten hethitischen Hauptstadt Hattuscha in Anatolien durchführt, dann nicht nur aus wissenschaftlichen Gründen. Seit 1955, als die Auslandsabteilung in Bagdad und eine weitere 1961 in Teheran gegründet wurde, verfolgte die Bundesregierung mit ihrem Forschungsinstitut auch ganz offiziell politisch strategische Ziele.
So sollte einerseits das Ansehen Deutschlands in der Welt wieder verbessert, andererseits aber auch im Rahmen der damaligen westlichen Bündnisstrategie der kommunistische Einflussbereich eingedämmt werden. Nicht zuletzt sollte durch das wissenschaftlich- kulturelle Engagement auch die internationale Anerkennung der damaligen DDR verhindert werden. Und so ist es kein Zufall, dass das Deutsche Archäologische Institut eben vor allem in Ländern wie Irak und Iran oder Jemen engagiert war und je nach politischen Möglichkeiten auch zukünftig engagiert sein wird.
Aber selbstverständlich sind die durchgeführten Projekte auch wissenschaftlich- archäologisch von höchstem Interesse, wie nicht nur Hattuscha, Göbekli Tepe oder die gerade abgeschlossenen Grabungen im legendären Saba im Jemen zeigen.Die politischen Aspekte der deutschen Auslandsarchäologie werden auch in der folgenden aktuellen Ausstellung dargestellt

Tehran 50. Ein halbes Jahrhundert deutsche Archäologen in Iran

(aus der Pressemitteilung des DAI) Die Ausstellung Tehran 50 feiert vom 2. Dezember 2011 bis 4. März 2012 die Gründung der Abteilung Teheran durch das Deutsche Archäologische Institut (DAI). 1961 nahm die Abteilung ihre Arbeit erstmals auf, seit 1996 ist sie eine an die Eurasien-Abteilung des DAI angeschlossene Außenstelle. Doch Tehran 50 betrachtet nicht nur den Werdegang der Außenstelle Teheran, sondern will zeigen, wie sehr geisteswissenschaftliche Forschung im Ausland zugleich Teil der jeweiligen politischen Beziehungen war und ist. Sie führt den Zuschauer zunächst in das 19. Jahrhundert, zu dessen Beginn die Perser eine von vielen Unbekannten des romantisierenden Orientalismus waren.

Eine Ausstellung der Eurasien-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts in Zusammenarbeit mit dem Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin

Kulturgeschichtliche Aspekte zur Archäologie

„Das Deutsche Archäologische Institut“ und seine politischen Funktionen im Laufe der Geschichte ist ebenfalls Gegenstand eines Aufsatzes des Buches „Archäologie“ aus der Reihe „Kulturgeschichtliche Aspekte zu . . . „. Im Kap. I: Geschichte, Menschen, Institutionen erfährt der Leser wie sich die Archäologie seit der Frühzeit und Antike bis heute entwickelt hat, welche unterschiedlichen Motivationen sich hinter der Suche nach der Vergangenheit verbergen können. Wie sich Fragestellungen, Bewertungen und Erklärungsmuster verändert haben. Er lernt Menschen kennen, deren Namen gelegentlich vertraut sind, die jedoch nicht immer mit Archäologie in Verbindung gebracht werden. Er trifft in diesem Zusammenhang Persönlichkeiten wie Napoleon und Lawrence von Arabien oder mit Dr. Anders Franzén einen der Pioniere der Unterwasserarchäologie. Und er wird nicht zuletzt mit den politischen Aspekten der 1829 entstandenen Institution „Deutsches Archäologisches Institut“ konfrontiert.

Die Aspekte des 1. Kapitels:

– „Die Entdeckung der Vergangenheit“, ein Buch über die Geschichte der Archäologie
– Archäologen, ein Buch über Persönlichkeiten der Archäologie
– Mit Napoleon in Ägypten
– Lawrence von Arabien der Begleitband zur Ausstellung
– Dr. Anders Franzén – Pionier der Unterwasserarchäologie
– „Oh, schaurig ist’s, übers Moor zu gehen . . .“, ein Buch über Moorarchäologie
– Das Deutsche Archäologische Institut
– Basiswissen Archäologie
– Atlas der Vorgeschichte

In: Kulturgeschichtliche Aspekte zur Archäologie

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