1712 Letzter Vortrag Denis Papins in der Royal Society

1712 ist das vermutliches Todesjahr des vielseitigen Naturforschers und Erfinders

Die letzten Lebenszeichen Denis Papins, des Erfinders der rund 20 Jahre (1687-1707) im Dienste des Landgrafen Carl von Hessen stand, finden sich 1712. Dazu gehören sein letzter Vortrag in der Royal Society, ein Brief an den Sekretär der Society, Hans Sloane und der Eintrag des Schatzmeisters der Royal Society über eine Auszahlung von 10 Pfund an Papin.

Papins Forschungsgebiet war vor allem die Pneumatik. Der 1647 in Blois geborene Hugenotte arbeitete nach seinem Medizinstudium 1671 an der französischen königlichen Wissenschaftsakademie, 1675 wechselte er an die Royal Society in London, besuchte 1681 die philosophische und mathematische Akademie in Venedig, kehrte 1684 nach London zurück, um schließlich 1688 dem Ruf der Hessischen Landgrafschaft zu folgen, und hier in Marburg, vor allem aber in Kassel wissenschaftlich zu wirken. Papin war wissenschaftshistorisch gesehen nicht mehr der Sammler und in erster Linie Theoretiker, sondern er versuchte bereits wie ein Ingenieur seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse in technische Innovationen umzusetzen.

Pumpen für Wirtschaft und Wasserspiele

Grundsätzlich war die Zeit hierfür nicht schlecht. Die europäischen Königs- und Fürstenhöfe absolutistischer und merkantilistischer Natur wetteiferten einerseits um Prestige, andererseits um die Entwicklung technischer Hilfsmittel zur Förderung der Wirtschaftskraft des jeweiligen Landes. Fürsten und Könige hielten sich hochqualifizierte Hofwissenschaftler, später richteten sie wissenschaftliche Akademien ein. Ein Schwerpunkt des fürstlichen Interesses, auch der hessischen Landgrafschaft, war die Montanindustrie im ökonomischen Sektor und die Errichtung möglichst eindrucksvoller Wasserspiele und Fontänen in den repräsentativen Gartenanlagen der Residenzen.
Papin, Vater des Dampfkochtopfes

Vom Dampfkochtopf zum U-Boot

Kein Wunder, dass die Pneumatik und die Hydraulik europaweit ein zentraler Forschungsschwerpunkt gewesen war, konnte man doch durch Nutzung der Gesetzmäßigkeiten des Luftdrucks diverse Förderinstrumente wie beispielsweise Pumpen bauen. Und so ist es kein Zufall, dass der vielseitige Papin der Vater der sogenannten „Hessenpumpe“, einer Zentrifugalpumpe ist, der zu ihrer Nutzung als Wasserförderpumpe allerdings ein geeigneter Antriebsmotor fehlte. Immerhin, außerordentlich erfolgreich hatte sich die Hessenpumpe als Luftgebläse zur Bewetterung von Bergwerken erwiesen.
Der Dampfkochtopf, die atmosphärische Dampfmaschine beziehungsweise Hochdruckdampfpumpe, Unterseeboote, oder die Schießpulvermaschine, waren Projekte oder Erfindungen die Papin entwickelt oder an denen er maßgeblich mitgearbeitet hatte. Das Dampfboot hingegen ist Legende.

Nordhessen: erlebbare Wirtschafts- und Wissenschaftsgeschichte

Papin ist nur einer der namhaften Wissenschaftler, die im Dienste der hessischen Landgrafen standen und Teil der internationalen Wissenschaftsgemeinde ihrer jeweiligen Zeit waren. Heute sind viele von ihnen in Vergessenheit geraten und auch ihre Erfindungen und Wirkung. Auf Expeditionen durch das Land der wilden Holl, der Region durch die Fulda und Werra fließen, deren Zentrum die vor allem wegen der Documenta bekannte Stadt Kassel bildet, lassen sich neben den faszinierenden  Naturlandschaften auch zahlreiche Spuren wissenschaftlich-technisch-industrieller Vergangenheit und ihrer Protagonisten erfahren. Das Buch „Durch das Land der wilden Holl“ will für solche modernen touristischen „Forschungsreisen“ in die Natur- und Vergangenheit eines kulturgeschichtlich in vielerlei Hinsicht unterschätzten Teils Nordhessens konkrete Hintergrundinformationen und Anhaltspunkte vermitteln, neugierig machen. Vieles dessen, was man in „Durch das Land der wilden Holl“ entdecken kann, sucht man in den Prospekten der Tourismusinformationen vor Ort vergeblich.

Zu den Fotos: Der Brunnen mit der Skulptur zu Ehren Denis Papins vor dem Ottoneum, dem 1606 als erstes feststehendes Theater Deutschlands gebauten heutigen Naturkundemuseum in Kassel. Das Ottoneum, das seit 1696 die landgräfliche Kunst- und Naturaliensammlung aus dem Marstall beherbergt, wurde 1709 zum Teil des Collegium Carolinum. Das Collegium Carolinum wird unter Landgraf Friedrich II. zu einer Art Hochschule. Zu den bedeutendsten Professoren am Carolinum gehören der Forschungsreisende Georg Forster und Samuel Thomas von Soemmering. (Fotos: Wolfgang Schwerdt)

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