12 v. Chr.: Germanienfeldzüge des Drusus beginnen

mit Heer und Flotte gegen die Barbaren

Etwa 15 v.Chr. war die Eingliederung des gallischen Gebietes als römische Provinz durch Cäsar und der Vorschub der römischen Grenzen unter Augustus an den Oberrhein und die obere Donau abgeschlossen. Damit rückte das germanische Siedlungsgebiet zwischen Rhein und Elbe in die Einflussspähre der Römer. Die nämlich fühlten sich durch die germanischen Grenzübergriffe bedroht und beschlossen daher auch das sogenannte freie Germanien zu befrieden.

Vor diesem Hintergrund führte Kaiser Augustus Stiefsohn, Nero Claudius Drusus, seit 12 v.Chr. von den Garnisonsstädten Mainz und Xanten aus gestaffelte Feldzüge in die germanischen Stammesgebiete durch. 11 v.Chr. erreichte er die Weser und 9 v.Chr. die Elbe.

Die einzelnen Feldzüge der Offensive

12 v. Chr.: Die Offensive wird eröffnet. Die Flotte fährt in die Mündungen von Ems und Weser und Landtruppen besetzten die Gebiete der Friesen und Chauken. Gleichzeitig gehen Truppen bei Arnheim über den Rhein und stoßen auf der rechten Rheinseite nach Süden bis zur Lippe bei Holsterhausen  vor.
11 v. Chr.: In diesem Jahr wird laut Tacitus die Weser im Gebiet der Cherusker erreicht. Die Sugambrer zwischen Lippe und Sieg werden später im Jahr angegriffen. Mit den aus Norden und Westen über Land und die Flüsse Ems und Weser nach Süden vorstoßenden Truppen haben die Römer Ende des Jahres etwa das Gebiet auf der Linie Bonn – Siegen – Kneblinghausen – Marsberg – Weser und nach Norden bis zur Küste erobert.
10 v. Chr.: Das Gebiet im Osten Germaniens vom Main in Richtung Norden zwischen Saale und Werra wird besetzt.
9 v . Chr.: Über die Lippe bis Anreppen, über die Weser bis Hedemünden werden nach und nach alle schiffbaren, innergermanischen Flüsse freigekämpft und stehen für Flottenaktionen zur Verfügung. An der Lahn werden die Lager Waldgirmes  und Dorlar  eingerichtet.
Der Dünsberg bei Gießen wird erobert, kämpfend geht es durch den Marburger Grund. Über die Eder und durch das Kasseler Becken wird Hedemünden erreicht. Weiter geht es Richtung Northeim. In der Gegend von Hildesheim werden aus Anreppen und über die Leine noch einmal Truppen und Nachschub zugeführt. Mit einem Schwenk Richtung Magdeburg erreichten die Truppen schließlich die Elbe. Das Kriegsziel ist erreicht, Germanien zwischen Rhein und Elbe unter römischer Kontrolle.

Logistische Struktur

Bei ihren Feldzügen hatten die Römer nicht nur Probleme mit den germanischen Einwohnern. Denn die Versorgung der Truppen war aus den durchzogenen germanischen Stammesgebieten nicht sicherzustellen. Dazu reichten die natürlichen und wirtschaftlichen Ressourcen des Landes nicht aus. Es war notwendig, eine logistische Struktur aufzubauen, die es ermöglichte, den Bedarf der Legionen überwiegend aus dem römischen grenznahen Reichsgebiet zu beschaffen.
Stützpunkte, Zwischenlager, Etappenlager mussten entlang der Flussläufe angelegt werden, denn der gewaltige Versorgungsbedarf der Legionen ließ sich nur auf dem Wasserwege decken.

Das Römerlager bei Hedemünden

Rund 200 km von der Grenze des römischen Reichsgebietes entfernt, findet sich der bislang nordöstlichste Stützpunkt der Römer, das „Römerlager Hedemünden“. Standort als auch Münzdatierung belegen, dass es sich um einen Stützpunkt aus der Drususzeit handelte, der für den Vorstoß zur Elbe von großer Bedeutung gewesen sein musste. Das Lager findet sich an einer Werrafurth, die sowohl in der Vor- als auch in der Nachrömerzeit ein Knotenpunkt wichtiger Fernhandelswege gewesen war. Die Ausgrabungen haben auch gezeigt, dass es sich nicht nur um ein einfaches Versorgungslager gehandelt hatte. So wurden neben einem rund 3,2 Hektar großen Standlager ein angegliedertes kleineres und ein weiteres größeres vermutliches Marschlager sowie weitere Nutzflächen und Befestigungen gefunden. Die gesamte Anlage umfasst rund 25 Hektar.
Heute gilt die Werra als unschiffbar. Mit ihren flachen Lastkähnen, die leer nur rund 20 cm Tiefgang aufwiesen und deren kleinere Ausführungen etwa 5 – 10 Tonnen Fracht transportieren konnten, waren die Römer aber durchaus in der Lage Weser und Elbe bis weit in deren Nebenflüsse und Oberläufe zu befahren. So dürfte das hedemündener Lager nicht nur vom Niederrhein aus, entlang der Nordseeküste über die Weser, sondern auch von der Fulda und der Werra aus mit den nötigen Gütern versorgt worden sein.

Kulturgeschichtliche Aspekte zu Römer in Germanien

Mit dem E_Book „Kulturgeschichtliche Aspekte zu Römer in Germanien“, breitet Schwerdt in seinen Aufsätzen die organisatorischen, logistischen und persönlichen Hintergründe der versuchten Einverleibung des rechtsrheinischen Germanien als römische Provinz aus. Dabei vermittelt er dem Leser anhand von Buchvorstellungen, Essays und Ausstellungsberichten die militärische, logistische, politische und gesellschaftliche Komplexität römischer Präsenz im Germanien zwischen Rhein und Elbe. Deren historisch wahrnehmbarer Höhepunkt war zwar die Varusschlacht, die Vernichtung der Legionen des Varus bedeutete aber noch lange nicht das Ender  der römischen Präsenz in dieser Region.

Fotos:
Oben: Bug des Nachbaus eines römischen Flusskriegsschiffes der Drususzeit, der Victoria.
Unten: Wrack eines Lastkahns aus der germanischen Kaiserzeit, gefunden im niederländischen Zwammerdam. (Fotos: Wolfgang Schwerdt)
Karten: von Wolfgang Schwerdt (aus Munitium, von Egon Kühn)

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