Falschmeldung über Vampir in Polen

Das Sommerloch und seine Sensationen

Vampirbär

Sensationeller Fund auf der Festplatte. Der Beweis: Vampire sind mitten unter uns

Keine Frage, so eine Überschrift wie „Vampirgrab in Polen gefunden“ oder „echtes Vampirgrab aus dem Mittelalter“ sorgen für Aufmerksamkeit und sind für Boulevardjournalismus sicherlich akzeptabel. Es ist auch keine Frage, dass der Inhalt des Artikels, bleibt er bei der Vampirstory, für Unterhaltung sorgt. Und ganz sicher ist, dass der Leser durch die Lektüre zwar bespaßt, gleichzeitig aber auch mächtig verdummt wird.

Denn natürlich hat es nichts mit dem historischen Vampirvolksglauben zu tun, wenn der Schädel eines Skeletts an der „falschen“ Stelle positioniert wurde. Möglicherweise nicht einmal mit der Furcht vor Wiedergängern. Die Schlussfolgerungen, die manch kreative Archäologen, Historiker, Boulevardjournalisten und nicht zuletzt Vampirfans aus bestimmten Fundanordnungen ziehen, zeugen meist eher von deren spiritueller Einfalt denn von wissenschaftlicher und kulturgeschichtlicher Kompetenz.

Leere Gräber noch sensationeller als Skelettfunde?

Lassen Sie mich den Mechanismus, der solchen Fundinterpretationen zugrunde liegt einmal auf die Spitze treiben. Zunächst die Ausgangsbehauptung des Bildartikelschreibers, der da feststellt, dass der Schädel zu Füßen des Vampir gelegt wurde, damit derselbe ihn nicht wiederfände, sich aufsetzen und dann aus dem Grab steigen könne. Bereits dieser Gedankengang findet sich in keiner einzigen historischen Quelle  zum Volksglauben, hier findet vor allem die Vorstellungswelt des Artikelschreibers seinen Niederschlag. Aber dessen Gedanken zuende gedacht, wäre es natürlich ein sensationeller Supervampirfund, fände man ein Grab gänzlich ohne Knochen. Das wäre ein Beweis dafür, dass dort ein Vampir begraben war, dessen Kopf nicht abgetrennt und verlegt wurde, und der somit sein Grab problemlos hatte verlassen können. Möglich aber auch, dass das leere Grab darauf hindeutet, dass die Menschen den Vampir nicht in diesem Grab begraben haben, damit er nicht dort heraussteigen konnte. Stattdessen haben ihn die Menschen wahrscheinlich dadurch am Umgehen gehindert, dass sie seine Knochen in der Umgebung verstreut haben, damit er seinen Body nicht mehr rekonstruieren kann.

Sensationelle Entdeckung von Vampirknochenmühlen

Und ist Ihnen, werter Leser schon einmal aufgefallen, dass in vielen ländlichen aber sogar städtischen Haushalten noch vor nicht allzu langer Zeit diese hölzernen Kaffeemühlen mit der Handkurbel gestanden haben? Das waren keine Kaffeemühlen, das waren Vampirknochenmühlen, die dazu dienten den untoten Blutsauger so zu zerkleinern, dass er nie wieder in der Lage sein würde, seinen Körper wiederherzustellen. Kein Wunder also, dass alte Bauernhäuser und Speicher voll von Staub sind – selbstverständlich Vampirknochenstaub – eine andere Erklärung ist ja gar nicht vorstellbar. Und damit habe ich den Beweis erbracht, dass die Angst vor Vampiren bis vor noch nicht allzu langer Zeit überall, selbst in unseren eigenen Familien daheim war. Natürlich sprach man nicht darüber – auch dass ein unwiderlegbarer Beweis wofür auch immer.

Vampire lauern überall – das ist sensationell bewiesen

Seien Sie also auf der Hut. Denn wenn Sie durch einen Park gehen und dort eine leere Coladose finden, dann ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass irgendwo ein Vampir in der Nähe ist. Der ist nämlich vor ein paar hundert Jahren aus seinem Grab gestiegen und treibt seitdem hier sein Unwesen. Die Anwohner versorgen den Vampir seitdem mit Cola als Blutersatzstoff . . . und sprechen selbstverständlich nicht darüber. Dass Vampire nach dem Volksglauben keine besonders lange Lebenserwartung haben, muss hier nicht interessieren. Das sensationelle am Fund der Vampircoladose ist nämlich, dass sie den Beweis erbringt, dass Vampire auch Cola statt Blut trinken. Obwohl ab und zu ein Tröpfchen . . . . 😉

Vampire, Wiedergänger und Untote:  spannend, unterhaltsam, informativ und seriös – kurz Bildung statt BIL-Dung

TitVampWer sich ernsthaft mit dem Thema Vampire, Wiedergänger und Untote auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich mein gleichnamiges Buch in dem ich mich kulturgeschichtlich auf die Spur der lebenden Toten begebe. Erschienen im Berliner Vergangenheitsverlag als Taschenbuch oder E-Book

Und hier der Link zum BILD.de – Beitrag

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