Qindiemania

Schau in den Nabel des Autorenkosmos

Gill-Pelletankürzlich habe ich auf Facebook eines der vielen netten Bildchen gesehen, die dem sozialen Netzwerktätigen gelegentlich ein Lächeln abringen. Da liegt eine Katze wunderbar verrenkt aber total entspannt  auf einem Treppengeländer und der Untertitel lautet: „das versteht ihr nicht, das ist so eine Katzensache.“

Ein ähnlicher Spruch fällt mir für den außenstehenden Betrachter bei der aktuellen Aufregung um die Autorenselbstvermarktungsplattform Qindie und einer dort veröffentlichen Buchpiratenkolumne ein. „das versteht ihr nicht, das ist so eine Autorensache.“

Vordergründig geht es bei der Aufregung um die Frage, ob ausgerechnet ein Autorenportal einem Buchpiraten eine Publikationsplattform bieten soll, also jemandem, der das geistige Eigentum der Autoren stiehlt, um es zum eigenen Nutzen und Gewinn kostenlos oder billig – unter dem Deckmantel der freien Informationszugangsideologie – der breiten Masse zum Download anzubieten. Und tatsächlich gibt es zum Phänomen des Diebstahls geistigen Eigentums (das reicht vom Guttenbergen über Musikklau bis hin eben zum E-Book-Raub) unter den Autoren recht unterschiedliche Positionen. Die einen sehen die illegale Verbreitung ihrer Werke als Marketing, die anderen sehen ihre persönliche, mit unermesslichen Reichtümern belohnte Bestsellerautorenkarriere bedroht und wieder anderen ist das zwar moralisch verwerflich und sicher auch straf- und privatrechtlich relevant, in der praktischen Auswirkung für sie selbst aber völlig schnuppe.

Zickenkrieg unter Autoren statt konstruktive Diskussion

Die Diskussion um den Diebstahl geistigen Eigentums in Zusammenhang mit dem Internet ist sicherlich auch für den Leser und die Öffentlichkeit interessant, zumal bei der Nabelschau der streitlustigen Autoren ganz vergessen wird, dass es längst den legalen Diebstahl geistigen Eigentums gibt, der zwar immer wieder bemotzt, aber eigentlich klaglos hingenommen wird. Man werfe nur einen Blick in die Geschäftsbedingungen der sozialen Netzwerke, denen sich jeder User unterwirft.

Aber zurück zum Wasserglas. Wahrscheinlich wäre die besagte Kolumne als inhaltlich völlig hohl irgendwo in den Weiten des Internet einfach untergegangen, wenn sie nicht auf der Autorenplattform Qindie erschienen wäre. Qindie, von einer Handvoll unabhängig publizierender Autoren zur Sicherung der Publikationsqualität im Selfpublisher-Bereich gegründet, war von Anfang an umstritten – natürlich vor allem unter den Autoren. Und so ziemlich jeder Anlass, jeder kleine Fehler in der Selbstdarstellung und selbst die Dinge, die dort richtig gemacht werden, bieten einigen Autoren immer wieder Grund, statt über Inhalte oder auch Strukturen zu diskutieren, auf die  – auf dem Buchmarkt im Grunde eigentlich immer noch unbedeutende (das ist nicht abwertend gemeint) – Plattform und ihre Initiatoren öffentlich einzudreschen.

Hinter dem Qindie-Horizont geht’s weiter

Über Qindie selbst kann ich herzlich wenig sagen. Ich gehöre nicht dazu und ich habe keinen Einblick in die internen Entscheidungs- und Personalstrukturen und auch nicht darüber, inwieweit die Initiatoren ihrem nach außen getragenen Anspruch gerecht werden. Ich muss aber auch gestehen, dass die Antwort auf diese Frage für meine Arbeit ziemlich belanglos ist. Es drängt sich aber der Verdacht auf, dass in der Öffentlichkeit (wahrscheinlich von dem größten Teil derselben unbemerkt) eher interne Konflikte oder mangelndes Selbstbewusstsein mancher Autoren ausgetragen werden. Beides ganz sicher kein gutes Selbstmarketing. Ob es Qindie schadet, mag dahingestellt bleiben, wirklich wichtig ist das Sandkastengeplärre, das immer mal wieder von unterschiedlichen Seiten initiiert wird,  für die Zukunft des Literaturbetriebes sicher nicht. Was für die große Literaturwelt wichtig ist, wird sich ohnehin herausstellen. Was für den Einzelnen – sei es Autor, Leser, Verlag – wichtig ist, muss dieser, nach Prüfung seiner Situation, selbst entscheiden und natürlich auch mit den Konsequenzen leben. Für meine Bücher  spielt die Piraterie – um noch einmal auf den Ausgangspunkt zurückzukommen – keine wirklich große Rolle. Klauen lohnt sich offensichtlich nur bei Massenware – wer will schon Bildung ;-). Zweifellos kann ich den Klau meiner Bücher nicht verhindern. Das allerdings als Marketinginstrument zu betrachten, fehlt mir schon ein wenig der Humor. Nach meiner Überzeugung ist das beste Marketinginstrument für einen Autoren ohnehin die Leseranbindung, also die persönliche Marke. In Zeiten des Internet und Selfpublishing mehr denn je – wer mich mag, beklaut mich nicht ;-).

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