Weihnachten und die christliche Seefahrt

Schiffskatzen unterm Weihnachtsbaum

Button2Keine Frage, in den vergangenen Jahrhunderten hatten auch die Männer der christlichen Seefahrt ihre „betrieblichen Weihnachtsfeiern“. Oft genug waren sie am anderen Ende der Welt unterwegs, in unbekannten Gewässern und mit viel Glück sogar in einem sicheren Hafen. Der Naturforscher Joseph Banks, Begleiter des James Cook auf dessen erster Reise, vertraut seinem Tagebuch zu Weihnachten 1769 folgendes an: Während die Offiziere und Wissenschaftler an Bord der HMS Endeavour die Pastete aus Tags zuvor geschossenen Gänsen genüsslich verspeisten, waren gegen Abend „alle Matrosen betrunken, so wie es bereits bei unseren Vorvätern anlässlich dieses Ereignisses üblich war.“

Tatsächlich spricht vieles dafür, dass – sofern es die Umstände erlaubten – bereits auf den Schiffen des 16. und 17. Jahrhunderts zum heutigen „Fest des Friedens“ alkoholischer Ausnahmezustand in der christlichen Seefahrt geherrscht hatte. Denn Banks hat das mit den Bräuchen der Vorväter nicht zu Unrecht bemerkt. Immerhin wurde das Feiern des Weihnachtsfestes im Rahmen der puritanischen Kulturrevolution Oliver Cromwells Ende der 40er Jahre des 17. Jahrhunderts verboten. Unter anderem, weil es nach Auffassung der nach dem Bürgerkrieg herrschenden Puritaner dazu genutzt wurde, um ausgiebig zu essen, zu trinken und Unzucht zu treiben. Mit der Erneuerung der Monarchie 1660 konnte dann wieder legal gefeiert werden. Gelage, Besäufnis, Tanz und Glücksspiel dürften neben dem obligatorischen Kirchgang bei der einfachen Bevölkerung noch bis ins 18./19. Jahrhundert hinein als adäquate Form gegolten haben, das Fest der Liebe zu begehen.
Heute hat sich – zumindest was die offizielle Lesart betrifft – die bürgerliche Version des 19. Jahrhunderts durchgesetzt, bei der besinnlich und friedlich im Rahmen der Familie unter dem Weihnachtsbaum Geschenke ausgetauscht werden, gemeinsam gespeist und gesungen wird. Glänzende Kinderaugen, glückliche Eltern und Großeltern, Frieden auf Erden, das Christkindlein in der Krippe und der Duft der Bratäpfel . . . .

Tiere auf dem Gabentisch

CovFlindOkay, okay, zurück zur christlichen Seefahrt der vergangenen Jahrhunderte, beispielsweise im Auftrage von christlichen, besonders christlichen und allerchristlichsten Majestäten zur Entdeckung neuer Länder und Handelswege. Einen spannenden und unterhaltsamen Eindruck vom Leben und Arbeiten auf den Forschungsschiffen des 18. und 19. Jahrhunderts vermittelt mein Buch „Forscher, Katzen und Kanonen“ aus dem Berliner Vergangenheitsverlag.

TitNeuGesamtVorSXDas sollte ebensowenig auf dem weihnachtlichen Gabentisch fehlen, wie meine Neuerscheinung des Jahres 2014, der erste Band der Rotbartsaga: Das Vermächtnis des Kapitäns Carl Carlszoon. Während im kulturgeschichtlichen Sachbuch „Forscher, Katzen und Kanonen“ der reale Schiffskater Trim des Forschungsreisenden Matthew Flinders eine gewisse Rolle spielt, sind es in der Rotbartsaga vor allem fiktive Schiffskatzen und –kater, die dabei helfen, die Seereisen des 17. Jahrhunderts ein wenig sicherer und erträglicher zu machen. Das Urteil der Kulturredaktion der Hessisch Niedersächsischen Allgemeinen: “Wer Katzen mag, wird Wolfgang Schwerdts ‘Rotbartsaga’ lieben”.

TitSchiffskat300SXUnd dann gibt es noch das Büchlein über wahre Geschichten von Schiffskatzen der vergangenen Jahrhunderte. „Die Schwarzbärflotte“ heißt es und ist unserem Stubentiger Benno (Spitzname Schwarzbär) gewidmet, der für das Cover Modell gestanden hat. Auch hier ein Leserurteil, das ich Ihnen nicht vorenthalten möchte: „Es geht um Katzen, die Lotsen das Leben retteten, nach einem Schiffbruch den Dienst quittierten oder von Forschern entdeckte Fischraritäten zum Abendbrot verspeisten. Der Band liest sich amüsant, und er informiert zugleich auf angenehme Weise. Ein Muss für jeden Katzenfreund!“

Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke!

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Apropos Katzen- beziehungsweise Tierfreund. Bücher sind die einzig akzeptable Form, Haustiere auf den Gabentisch zu packen. Ansonsten gehören weder Katzen, Hunde, Karnickel oder sonstige tierischen Lieblinge als Geschenk unter den Weihnachtsbaum.

Wer mehr über maritime Weihnachtsfeste im 18./19.Jahrhundert erfahren möchte, lese den Logbucheintrag zum Weihnachtsfest.

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